Irrwisch ist eine der ältesten, bis heute noch aktiven Rockbands der Schweiz.
Die 45-jährige Geschichte gleicht einer abenteuerlichen Berg- und Talfahrt, mit vielen Hochs, aber auch einigen Tiefschlägen. Den roten Faden durch die ganze Story bilden die beiden Gründer und Protagonisten Steff Bürgi (Musik) und Chris Bürgi (Texte), die mit ihrem kreativen Input die Entwicklung der Band immer massgeblich beeinflusst und vorangetrieben haben.

1975 – 1980: Anfangsphase

Schon 1968 gründeten Steff und Chris – übrigens keine Brüder  – in ihrem Heimatort Kestenholz (SO) die erste Schülerband. Als 12-jährige interpretierten sie Beatles-Songs und gaben unter dem Namen „The Greens“ die ersten Konzerte. Nach etlichen Mitglieder- und Namenswechsel (so nannten sie sich u.a. „Sahara“ / „ The Heavenly Witches Organisation“ / „Hexagon“) war schliesslich 1975 die Gruppe Irrwisch geboren. Dieser Formation gehörten an: Steff Bürgi – Vocals/Organ / Chris Bürgi – Gitarre / Peter Krattiger – Gitarre / Erich Riesen – Bass / Sappy Kissling – Drums / Dieter Lüscher – Flöte, ab 1976 Wolfgang Hafner – Trompete/Percussion.

In dieser Besetzung gaben Irrwisch viele Konzerte vor allem in der Region und feilten wie wild an ihrem ausgefallenen Musikstil , der sich irgendwo zwischen Gentle Giant und Mahavishnu Orchestra einpendelte.

Typisch für das damalige Repertoire waren lange, komplexe Instrumentalwerke mit polyphonen Strukturen und notabene ohne Gesang! Die Stücke hatten Namen wie „Symphony“ – „Awakening“ – „King Midas“ – „Seven again“ – „Car Trip“.

1978 wurde die 1.Single „Metronom“ im Powerplay Studio Horgen aufgenommen – mit Jimmy Duncombe als Engineer und Produzent.

Unbestrittener Höhepunkt dieser Anfangsjahre war der Sieg an der „Nationalen Rockausscheidung“ 1979 in Augst. Der Preis: ein Auftritt im Abendprogramm des Internat. Jazzfestivals Montreux im Juli 1979  – als Supporting Act der Brecker Brothers!

Alle diese Aktivitäten wären nicht möglich gewesen ohne die tatkräftige Unterstützung der „Legendary Road-Crew“. Chisu, Thomi, Gerry und Co. haben mit viel Idealismus und Power die Band überall hin begleitet. Dieser Crew beim Auf-und Abbau der Anlage zuzuschauen war eine Show für sich.

The Legendary Roadcrew

 

1981 – 1992: Erfolgsjahre und Ende einer Ära

Nach einer turbulenten Uebergangszeit mit Austritten von Bandmitgliedern (Dieter Lüscher und Wolfgang Hafner) sowie neuem Management und Probelokal schlugen die restlichen 5 Musiker einen (fast) professionellen Karriereweg ein: die 1. LP wurde geplant , neue Songs (wieder mit Vocals) entstanden. Nachdem man mit EMI Switzerland einen Plattenvertrag unterzeichnen konnte (was zur damaligen Zeit doch eine kleine Sensation für eine unbekannte Band vom Land war…), gings im Nov 1980 ins „Rainbow“-Studio nach München, wo der renommierte Schweizer Gitarrist und Produzent Armand „Mäne“ Volker die sieben Irrwisch-Titel aufnahm und produzierte.

1981 erschien das Debütalbum „In Search Of“ und wurde ein grosser Erfolg. 12’000 verkaufte Einheiten vom Erstling waren dazumal für Schweizer Verhältnisse beachtlich. Nach einer Konzerttour durch die Schweiz traf man sich schon bald wieder im Probelokal, um neue Songs zu kreieren. Denn der Plattenvertrag beinhaltete eine 2. LP. Und tatsächlich reiste die Band bereits im Mai 1982 wieder nach München, um das Nachfolgealbum einzuspielen.

1982 kam „Living in a Fool’s Paradise“ auf den Markt und 15’000 LPs gingen über den Ladentisch. Für dieses Werk erhielt Irrwisch von der Solothurner Regierung einen Förderpreis.

Auszeichnung Regierungsrat 1982

Wieder tourte man durch die Schweiz und Deutschland – mit neuem Tour-Keyboarder Fredy Gruber. Unvergessene Stationen waren Clubgigs im Onkel Pö Hamburg oder im Luxor Köln. Weitere Höhepunkte der Jahre 82/83 waren die Supporting Acts bei Roger Chapman (Zürich/Dortmund/ Regensburg/ Singen) , Uriah Heep / Eloy sowie Open-Airs in St. Gallen / Leysin /Gampel / Brienz u.v.a.

Nach einer weiteren schwierigen Uebergangsphase geprägt von mühseligen, letztlich erfolglosen Vertragsverhandlungen mit internationalen Plattenfirmen (allein davon könnte man ein Buch schreiben!) raufte man sich 1987 wieder zusammen. Fredy Gruber, inzwischen festes Bandmitglied, übernahm mit viel Motivation das Management. Einige Konzerte wollte man machen – nur so zum Plausch. Nun – es wurde eine ausgedehnte Konzerttour daraus mit den grössten Besucherzahlen seit je – und die beiden LPs/CDs „Countdown“ (88) und „The Fish Came to the Surface“ (89) – wieder unter EMI Music Switzerland erschienen – wurden zu Bestsellern mit Chart-Platzierungen in den Schweizer Top Ten. Höhepunkt dieser Erfolgsjahre waren die Konzerte im Hallenstadion Zürich und im Palais de Beaulieu Lausanne – als Supporting Act von „Marillion“ im Jan.1988 .

Hallenstadion Zürich 22.Jan.1988

Ebenfalls ein grosser Publikumserfolg war 1989 die Music Scene/Camel-Tour mit 15 ausverkauften Konzerten quer durch die Schweiz und einer erweiterten Bandformation:mit Andi Hürzeler am Sax der später festes Bandmitglied wurde und Jane Bogaert (voc) als Special Guest sowie Philip Martin (bass / back voc)/ Lucy Novotny und Natasha Otrinova (back voc) / Pat Wettstein (perc) und Daniel Küffer (sax)

1990 erschien als Supplement die „Live“-CD mit Konzertmitschnitten aus dieser Tour. Unter einem gehörigen  Erfolgsdruck wurde das nächste Studioalbum geplant. Man wollte jetzt alles richtig machen und den gewonnenen CH-Bonus international ummünzen. Mit einer deutschen Plattenfirma wurde die bisher aufwändigste Irrwisch-Produktion realisiert: nach Vorproduktionen im Double-6 Studio von Gitarrist Pek Krattiger und Weiterentwicklungen im Ebony Studio unter Tontechniker Pädi Schwitter wurde 1991 im Münchner „Pilot“ Studio mit Curt Cress als Produzent und Bernie Staub als Soundengineer das Werk fertig gestellt. „Forbidden Fruits“ geriet zwar zu einer musikalisch und technisch hochstehenden Produktion, erfüllte jedoch die finanziellen Erwartungen nicht , worauf sich die Band nach einer ausgedehnten Tour Ende 1992 auflöste und eine langjährige musikalische Ära zu Ende ging.

1994 – heute: Ein neues Kapitel

Schon bald darauf trafen sich die beiden unermüdlichen Protagonisten Steff und Chris wieder zu musikalischen Sessions. 1994 gründeten sie die Produktionsfirma „Chestwood Music Productions“ und richteten in Kestenholz ihr eigenes Tonstudio ein. Dadurch wollte man sich möglichst grosse Unabhängigkeit schaffen und vor allem viel Zeit gewinnen für die Realisierung von musikalischen Projekten (nach dem Motto: der Weg ist das Ziel!).

Kirchenkonzert 1998

Zwei Jahre später erschien das erste Produkt aus dieser Werkstatt mit dem Namen „Chestwood“ (1996). Die Platte verkaufte sich vor allem in der Region sehr gut, was dazu ermutigte, auch wieder Konzerte zu geben. Nachdem eine neue Live-Band zusammengestellt war – mit dabei die alten Kumpels Sappy Kissling (Drums) und Fredy Gruber (Keyboards) sowie Andi Hürzeler (Sax) und den Neumitgliedern Sabine Hasler (Vocals) und Michael Wernli (Bass) – traten Irrwisch 1998 zum ersten Mal nach sechs Jahren wieder live auf . Eine neue Konzeptidee war inzwischen entstanden: „Konzertante Rockmusik“. Man wollte die Musik ins Zentrum stellen und diese zusammen mit dem Publikum intensiv, fast meditativ erleben. Wo könnte das besser gelingen als in einer Kirche?rel=0& Die darauffolgenden Kirchenkonzerte gerieten zum grossen Erfolg und bleiben als Meilensteine in Erinnerung. Einen Eindruck davon bekommt man auf der CD „Christmas Concert“.

Im Jahr 2000 verabschiedete sich Fredy Gruber wieder aus der Live-Formation.

„Time Will Tell“ wurde im Mai 2002 veröffentlicht und in einer aufwändigen Bühnenshow mit visuellen Effekten dem Publikum live präsentiert. Im Oktober 2002 war die Band Gast an der Schlussfeier der EXPO 02 auf der Arteplage Yverdon.

In den darauffolgenden Jahren wagten sich Irrwisch an neuartige Crossover-Projekte: der Musiker und Dirigent Ueli Kipfer initiierte die Zusammenarbeit mit dem Jugendspiel Oensingen unter dem Motto „Rock Meets Brass“ – Irrwisch-Songs wurden neu arrangiert für Blasensemble und Rockband. Im Oktober 2003 wurde das spannende Experiment erfolgreich uraufgeführt. Dasselbe Projekt erfuhr ein Jahr später in Oberburg (BE) eine gelungene Neuauflage – diesmal mit der Emmentaler Regio-Jugendmusik.

Im Advent 2004 erfüllten sich Irrwisch einen langgehegten Wunsch: Das Zusammenspiel mit einem klassischen Streichensemble. Alte Irrwisch-Songs (wie „Bad news“) und speziell für dieses Projekt komponierte Werke („Stone and a Rose“) wurden mit einem 10-köpfigen Ensemble unter der Leitung von Beat Escher einstudiert. Der klassische Klangkörper und die Rocksounds vermischten sich zu einer einzigartigen Collage. Mit „Irrwisch&Strings“ gelang ein musikalisches Highlight mit grossem Publikumserfolg. Diese Konzeptidee wurde in der Folge weiter entwickelt: Eine entsprechende rockig-sinfonische CD-Produktion und Konzerte mit Orchester wurden in Betracht gezogen.

Nach 7 Jahren kreativer und freundschaftlicher Zusammenarbeit verliess Bassist Michael Wernli die Band im Sommer 2005 , um sich vermehrt seinen eigenen Projekten widmen zu können. Ab 2005 übernahm Adrian Wirz den Bass-Job.

Im Januar 2006 startete Irrwisch ein neues CD-Projekt. Zum 30-jährigen Bandjubiläum wollte man ein festlich-fröhliches Album präsentieren. Während vielen Monaten brüteten die beiden Masterminds Steff und Chris über ihren musikalischen Ideen und entwickelten die neuen Songstrukturen. Bald konnten auch die Mitmusiker ins Studio eingeladen werden, wo in stundenlangen Sessions die Instrumente und Vocals eingespielt und eingesungen wurden. Endlich im März 2007 konnte mit dem Abmischen der 1000 Spuren begonnen werden. Im Juni 2007 war diese Arbeit glücklich beendet.

Das Mastering (Bearbeitung des Stereomixes) wurde in England bei Simon Heyworth gemacht, der schon namhafte Künstler wie Mike Oldfield / Marillion / Simple Minds gemischt und gemastert hat. Dieser Prozess wickelte sich in enger Kooperation mit unserem „Master of the house“ Charles Widmer ab, der das Ganze technisch und klangspezifisch betreut und uns in schwierigen Entscheidungsphasen beraten hat. Im Sommer 2007 wurde das Werk „Wizard for a day“ veröffentlicht und in einer grossen Jubiläumsfeier dem Publikum vorgestellt.

Seit Ende 2006 bereicherten 2 Chorsängerinnen – Sabse Kaufmann und Marianne Iseli-Henzi – den Irrwisch-Sound sowohl live als auch auf den CD-Aufnahmen. Ab 2010 machte Evelyne Brogli den 3-stimmigen Chorsatz komplett.

„Chestwood Singers“ 2015:
Evelyne Brogli, Marianne Iseli- Henzi, Sabse Kaufmann

Ende 2007 wurde die Ballade „First Time“ vom Schweizer Fernsehen für die TV-Sendung „Die grössten Schweizer Hits“ nominiert. Extra für diese Sendung wurde der Titel neu produziert.

Nach diversen Konzertauftritten in den Jahren 2008 bis 2010 kehrten die Musiker/innen von Irrwisch wieder ins Studio zurück, um neue Songs aufzunehmen. Die Konzeptidee „Stone and a rose“ wurde wieder aufgegriffen und die schon bestehenden Songideen ausgebaut und mit weiterem Material ergänzt. Im Dezember 2011 wurden diese neuen Fassungen zum ersten Mal live dem Publikum vorgeführt in den „Christmas Concerts“ die bald darauf als Live – CD herausgegeben wurden.

Anfang 2013 wurde der Grundstein für die neue Studioproduktion gelegt : die ersten offiziellen Takes wurden aufgenommen . Das Ziel war ein konzeptionelles Werk mit Band und klassischem Orchester – eine musikalische Verschmelzung der beiden unterschiedlichen Klangkörper. Neben diversen Konzertauftritten in Clubs (Mühle Hunziken / Galery Pratteln, Marabu Gelterkinden u.a. sowie dem bedeutsamen Supporting Act von Lionel Richie am Sunset in Kestenholz wurden die Studioaufnahmen vorangetrieben. Leider verabschiedeten sich unsere Chorgirls von Irrwisch nach Abschluss der CD-Aufnahmen- wo sie nochmals das Beste gaben – um ihren eigenen Projekten nachzugehen.

St.Peter at Sunset 2015

Ende 2015 konnte das Werk „Stone and a rose – a musical epos“ rechtzeitig zum 40-Jahr-Bandjubiläum als CD-Doppelalbum veröffentlicht und am Neujahrskonzert 2016 in Balsthal mit einer CD-Taufe gefeiert werden (später auch auf Vinyl erschienen). Als Höhepunkt der Feierlichkeiten wurde im Herbst 2016 eine Konzertfassung des Werks mit Band und klassischem Orchester unter der Leitung von Maija Breiksa erfolgreich zur Aufführung gebracht . Davon wurde eine DVD veröffentlicht. Weitere Orchesterkonzerte gingen im 2018 über die Bühne. Zum unvergesslichen Highlight wurden im Mai 2018 die Auftritte im KKL Luzern mit dem sinfonischen Blasorchester BOFMN Neuenkirch unter der Leitung von Roger Meier . Im Konzertvideo (Bluray) „Irrwisch&Orchestra im KKL“ ist dieser Meilenstein dokumentiert.

IRRWISCH&ORCHESTRA 2016
IRRWISCH&ORCHESTRA KKL LUZERN 2018

Zum 45-Jahr Bandjubiläum unternimmt Irrwisch ab Herbst 2019 eine Reise durch die Schweizer Musikclubs und präsentiert ein spannendes farbiges Programm – aussortiert aus der grossen Schatztruhe des imposanten Repertoires.

IRRWISCH live im Falcone Zürich 2019
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